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Bundesliga Manager Lounge 2018

Bundesliga Manager Lounge 2018

Fußball-Bundesligisten diskutieren bei der Bundesliga Manager Lounge des Instituts für Fußballmanagement im Bremer Weser-Stadion intensiv den Einstieg in die eSport-Welt / Schalkes Chief Gaming Officer Tim Reichert prophezeit starke Monetarisierungsmöglichkeiten: „Der Markt wächst, ist jung und global – und ermöglicht uns, eine ganz neue Zielgruppe anzusprechen.“

 

40 Experten aus der 1. und 2. Bundesliga nutzten die vom Institut für Fußballmanagement veranstaltete und von der Privatbank Donner & Reuschel präsentierte Bundesliga Manager Lounge, um sich im Business-Club des Bremer Weser-Stadions über das Thema Digitalisierung auszutauschen. Schalkes Chief Gaming Officer Tim Reichert nannte Gründe, warum es auch für andere Bundesligisten sinnvoll sein könnte, den eSport-Markt zu erschließen. Sportrechtsexpertin Christina Toth stellte Daten als neues Gold heraus. Prof. Dr. Tobias Haupt forderte mehr Mut beim Investieren in Digitalisierungstrends.

 

Digitalisierungsfragen beschäftigen die deutschen Profivereine mehr denn je. Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald stellte in seiner Begrüßung daher auch die Wichtigkeit der Bundesliga Manager Lounge als Austauschplattform für innovative Themen im Fußball heraus: „Der Wettbewerb ist gnadenlos. Wir alle machen jeden Tag unsere Arbeit so gut es geht – und dennoch trifft es am Ende zwei Vereine, die aus der Bundesliga absteigen müssen. Und ein dritter Klub muss in die Relegation. Bei aller Rivalität ist es wichtig, dass man bei den Themen, die uns gemeinsam angehen einen engen, respektvollen Austausch pflegt.“

Besonders eint die Klubs aktuell die Überlegung zum Umgang mit dem aufstrebenden eSport-Markt. Eine Vorreiterrolle nimmt der FC Schalke 04 ein, der im Frühjahr 2016 in den professionellen eSport einstieg. Und Schalkes Chief Gaming Officer Tim Reichert empfahl seinen deutschen Kolleginnen und Kollegen, nachzuziehen: „eSport ist die erste Sportart seit vielen Generationen, die aus dem Nichts kam und auf einmal ein Sport ist. Der Markt wächst, er ist jung, und er ist global. Es ist ein Sport, den junge Leute schauen wollen. Dieser Sport füllt Stadien, zwar noch nicht wöchentlich mit 60.000 Menschen wie beim Fußball, aber wir schaffen es, in Deutschland drei, vier große Events pro Jahr zu veranstalten. Das Kerngeschäft ist jedoch die digitale Welt, in welcher die jungen Leute den Sport schauen. Trotz des digitalen Schwerpunkts des eSports sind wir sehr nah am klassischen Sport: Wir haben Arenen, wir haben Stars und wir haben Fans, die genauso eine Begeisterung zeigen, wie wir es aus dem Fußball kennen. Nur das Spielfeld ist anders.“

Reichert verwies vor allem auf neue potentielle Zielgruppen sowie Monetarisierungschancen: „Der eSport ermöglicht uns, eine ganz andere Zielgruppe anzusprechen. Eine Zielgruppe, die zunächst vielleicht gar nichts mit dem Fußball zu tun hatte, die wir aber möglicherweise durch unser Engagement in diesem Bereich zu Fußball-Fans oder zumindest Fußball-Sympathisanten unseres jeweiligen Vereins konvertieren können. Zudem läuft die eSport-Vermarktung global, die Monetarisierungsströme sind digital. Die Social-Media-Kanäle der Vereine und Spieler werden für die Vermarktung genutzt. Und da steckt Power hinter. Das ist etwas, wo der eSport dem Fußball möglicherweise sogar schon voraus ist.“

 

Für intensive Diskussionen im deutschen Profifußball sorgt derzeit auch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Diese regelt die Erhebung, Verarbeitung und Weitergabe personenbezogener Daten für den gesamten privaten und öffentlichen Bereich neu und stellt die Vereine im Umgang mit Fan- und Mitgliederdaten vor große Herausforderungen. Rechtsanwältin und Expertin für Sportrecht Christina Toth: „Daten sind das neue Gold. Das Bewusstsein für den Umgang mit personenbezogenen Daten steigt, auch wenn man im Sport recht spät begonnen hat, sich Gedanken zu machen, wie sich die DSGVO auf die tägliche Arbeit im Verein auswirken wird. Es herrscht im Moment eine große Verunsicherung am Markt, weil viele Fragen noch ungeklärt sind. Vor allem die hohen Strafen bei Verstößen gegen den Datenschutz bereiten viel Unbehagen. Mir ist es aber immer wichtig auch zu betonen, dass gerade Sportvereine die DSGVO auch als Chance sehen müssen. Man wird jetzt ‚gezwungen’ sich ein Gesamtbild über die im Verein vorhandenen Daten zu verschaffen – die beste Gelegenheit, um auch mehr Ordnung und Struktur in die gesamten Arbeitsabläufe zu bringen. Viele Vereine nutzen genau diese Phase auch, um endlich ein einheitliches CRM-System einzuführen. Das steigert die Effizienz enorm.“

 

Die Umsetzung erfordert zeitnah technische und organisatorische Lösungen, an denen auch das Institut für Fußballmanagement mit seinen Partnern arbeitet. Bei allen Unwägbarkeiten rief Prof. Dr. Tobias Haupt, stellvertretener Direktor des Instituts für Fußballmanagement, zum Abschluss der Bundesliga Manager Lounge dazu auf, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu erkennen und für sich zu nutzen: „Wir appellieren an die Klubs, selbst in die Vorreiterrolle zu gehen, selbst ein Digitalisierungsinnovator zu sein. Es gilt noch mutiger in die neuen Digitalisierungstrends zu investieren, weil sich in diesem Bereich durch einfache Maßnahmen große Aufmerksamkeit generieren lässt.“