1. Expertentagung Talentförderung

1. Expertentagung Talentförderung

1. Expertentagung „Talentförderung im bayerischen Fußball“

Bayerns Talententwickler erkennen Optimierungsbedarf

Die 1. Expertentagung zur Talentförderung im bayerischen Fußball regt zur spannenden Diskussion über die Nachwuchsarbeit in den Vereinen und Verbänden an. 80 Top-Talententwickler aus ganz Bayern sehen einen Verbesserungsbedarf. DFB-Stützpunktkoordinator Peter Wimmer fordert eine Anpassung der Konzepte. Dr. Karsten Schumann vom FC Bayern München plädiert dafür, den Talenten mehr Zeit zu geben.

Um über die aktuellen Ausbildungsansätze und Ausbildungswege zu diskutieren, kamen auf Einladung des Instituts für Fußballmanagement am Donnerstagnachmittag 80 Top-Talententwickler aus dem bayerischen Raum, darunter Vertreter des FC Bayern München, FC Augsburg, FC Ingolstadt, TSV 1860 München, 1. FC Nürnberg, SV Sandhausen, SSV Jahn Regensburg sowie der SpVgg Greuther Fürth und der SpVgg Unterhaching, zur 1. Expertentagung zur Talentförderung im bayerischen Fußball zusammen. In den Räumlichkeiten der Hochschule für angewandtes Management in Ismaning hob Felix Jäckle, Hauptabteilungsleiter Sport beim Bayerischen Fußball-Verband, die Arbeit der Vereine sowie der Nachwuchsleistungszentren hervor: „Ohne die Basis können wir keine Top-Talente entwickeln.“ Jäckle unterstrich deshalb auch die Bedeutsamkeit der Tagung: „Es ist wichtig, dass alle Personengruppen, die an der Talentförderung beteiligt sind, zusammenkommen. Wir wollen und können uns noch optimieren.“

Nur ein Prozent der Spieler aus den Bundesliga-Nachwuchsleistungszentren schafft auch wirklich den Sprung zum Profi. Peter Wimmer, DFB-Stützpunktkoordinator für Südbayern, nahm die Zahl zum Anlass, um trotz des großartigen WM-Erfolgs 2014 die „Optimierung der Strukturen“ zu fordern: „Es ist höchste Zeit, den Feiermodus einzustellen. Wir müssen bereit sein, unsere Konzepte im Sinne der Talente anzupassen.“

Durchaus kritische Worte fand auch Ernst Tanner, mittlerweile Nachwuchsleiter des FC Red Bull Salzburg. Tanner: „Wir müssen uns fragen, ob wir wirklich die richtigen Talente fördern, und wie wir sie fördern. Wir reden bei 13-Jährigen über mögliche Talente. Wir muten uns da viel zu viel zu.“

Beim FC Bayern München kümmert sich Dr. Karsten Schumann in seiner Funktion als Wissenschaftlicher Mitarbeiter intensiv um die strategische Ausrichtung der Jugendarbeit des Rekordmeisters. Schumann plädierte trotz allem Erfolgsdruck dafür, Talente bewusst in den Vereinen reifen zu lassen: „Talente müssen sich entwickeln. Wenn wir die Zeit Talenten nicht geben, haben wir unfertige Talente. Wir wollen deshalb wieder verstärkt den Fokus auf die sportliche Entwicklung legen und versuchen, das Training noch stärker zu individualisieren.“ Schumann betonte den Bayern-Anspruch, Top-Talente entwickeln zu wollen. Er warnte jedoch gleichzeitig vor Augenwischerei: „Nur die wenigsten Talente werden am Ende auch vom Fußball leben können.“

Schumann stellte in seinem Vortrag auch die Wichtigkeit der Trainer heraus: „Die Nachwuchstrainer sind der Schlüssel. Die Trainer sind auch Erzieher, nicht nur Fußballlehrer.“ Zustimmung erhielt er von Jäckle, der plant, vor allem in den Nachwuchsleistungszentren des Bayerischen Fußballverbandes die Trainerausbildung noch weiter zu forcieren.

Prof. Dr. Florian Kainz, Direktor des Instituts für Fußballmanagement hatte zuvor auch das Thema „Drop-Out“ im Fußball in den Mittelpunkt gestellt und die Chancen dualer Karrieremodelle vorgestellt. Kainz: „Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung in Deutschland zeigen, dass die Anzahl der Talente in den nächsten Jahrzehnten stetig sinken wird. Der Kampf um die Talente erfordert daher eine optimale Betreuung durch Vereine und Verbände. Die Förderung dualer Karrieren werden aus zwei Gründen immer wichtiger: Zum Einen bekommt man dadurch mehr Talente ins System, die ansonsten „normale Bildungsverläufe“ bevorzugen würden, zum Anderen um diejenigen nicht „hart aufkommen“ zu lassen, wenn sie im Sinne von Drop-Out aus dem System „fallen“!“

Vielen Dank an Karl Valentin – Signal Iduna Generalagentur für die großartige Unterstützung bei dieser Veranstaltung. Vielen Dank auch an den Bayerischen Fußball-Verband und die Hochschule für angewandtes Management in Erding, mit denen wir die Expertentagung in Kooperation durchführten.