Fußball Lounge „Karrieremanagement im Profisport“

Fußball Lounge „Karrieremanagement im Profisport“

Bei der Fußball Lounge des Ismaninger Instituts für Fußballmanagement und der Hochschule für angewandtes Management, die am Donnerstag unter dem Motto ‚Karrieremanagement im Profisport‘ im Münchner Bankhaus Donner & Reuschel stattfand, diskutieren 70 Sportexperten über das Karrieremanagement im Sport. Sportwissenschaftler Dr. Karsten Schumann, der von 2012 bis 2016 beim FC Bayern als Assistent von Matthias Sammer fungierte, mahnte dabei Verbesserungen im Umgang mit jungen Spielern an.

In seinem Impulsvortrag zum Thema ‚Professionelle Karriereentwicklung im Verein‘ hielt Dr. Karsten Schumann die Klubs dazu an, die Persönlichkeitsentwicklung junger Spieler stärker in den Vordergrund zu stellen: „Diese Komponente kommt mir zu kurz. Die Vereine müssen die Komplexität der fußballerischen Ausbildung noch intensiver mit der schulischen und insbesondere der Persönlichkeitsentwicklung verknüpfen. Meine Grundüberzeugung ist: Die jungen Menschen in unserer Gesellschaft, und damit auch unsere jungen Fußballer, benötigen in der heutigen und zukünftigen Zeit viel stärker Orientierung und Werte, um ihr Leben, ihren Sport und ihre Ausbildung meistern zu können. Wir erreichen sie nur durch persönliche Bindung.“ Dr. Schumann empfiehlt daher, diesen Aspekt speziell in der Trainerausbildung zu berücksichtigen: „Neben der fachlichen Qualifikation muss viel stärker auf die pädagogischen Fähigkeiten der Trainer und aller anderen im Ausbildungsprozess beteiligten Personen geachtet werden. Es ist dabei essentiell, dass der Trainer in der fußballerischen Ausbildung die entscheidende Person ist.“

Das Institut für Fußballmanagement stellte im Rahmen der Fußball Lounge ferner die Ergebnisse der neuen Studie ‚Herausforderungen und Handlungsfelder in Bezug auf das Karrieremanagement im Sport‘ vor. Die Studie beruht auf qualitativen Leitfadeninterviews mit 20 Spielerberatern und belegt ein durchaus hohes Bildungsniveau der aktiven Profifußballer, von denen 70 Prozent das Abitur vorweisen können. Lediglich 22 Prozent aller Profis haben während der aktiven Karriere keine schwerwiegende Verletzung, nur 32 Prozent der Profis müssen sich während ihrer aktiven Karriere keiner Operation unterziehen. Die größten Herausforderungen und Problemfelder für die Fußballer sind das Aufbringen der Motivation nach Rückschlägen, die ständige öffentliche Beobachtung sowie auch die eigenen Eltern, die einerseits sozialer Rückhalt sind, zudem aber häufig einen hohen, teilweise überzogenen Erwartungsdruck ausüben. Außerdem stellt die Studie die Abwicklung von Transfers sowie die Zusammenarbeit mit Experten, insbesondere auf den Feldern Finanzen und Medizin, als Kernhandlungsfelder der Spielerberater heraus. Interessant: Eine Vermarktung im Sinne von finanziell attraktiven Sponsoren- und Werbeverträgen ist nur für die absoluten Top-Spieler eines Landes möglich.

Prof. Dr. Florian Kainz, Direktor des Instituts für Fußballmanagement: „Karrieremanagement hat eine ganz hohe Bedeutung. Man sieht in der öffentlichen Darstellung häufig entweder nur die Schokolandseiten einer Karriere oder eben die krassen Negativbeispiele. Uns war es wichtig, herauszuarbeiten, was dazwischen ist – die Normalverläufe einer Karriere vernünftig zu begreifen, um dann das Karrieremanagement weiter optimieren zu können.“

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